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Brühl verpasst Titelverteidigung

St.Galler Nationalliga A-Handballerinnen verlieren die fünfte Playoff-Final-Partie gegen GC Amicitia Zürich 22:25

Bericht: Fritz Bischoff, St.Galler Tagblatt
Foto: Beatrice Hänsler

Der LC Brühl verpasst seinen 35. Meistertitel und damit die Titelverteidigung im Handball der Nationalliga A Frauen. Im entscheidenden fünften Spiel der Playoff-Finalserie verlieren die St.Gallerinnen in Zürich vor 1250 Zuschauern gegen GC Amicitia 22:25. Für die Zürcherinnen ist es nach dem 26:25 im Cupfinal gegen den Rekordmeister der zweite Titel der Saison, wogegen die Brühlerinnen erstmals seit vier Jahren ohne einen Titel bleiben. Für den neuen Meister ist es seit der Fusion der beiden Vereine Grasshoppers und ZMC Amicitia im Jahre 2010 überhaupt der erste Meistertitel. Dieser fiel in der Endabrechnung mit dem 3:2-Seriensieg ebenso knapp aus, wie es im Cupfinal der Fall gewesen ist. Doch unverdient ist der Erfolg nicht. Die Zürcherinnen waren über die ganze Saison das beste und ausgeglichenste Team. Auch im letzten Saisonspiel gelang es ihnen wieder, ihr Leistungsoptimum abzurufen. Der LC Brühl agierte gegen die starke gegnerische Verteidigungsarbeit oft zu fehlerhaft und zu ungenau in seinen Abschlüssen. Trotzdem keimte in der Schlussphase nach einem Fünftorerückstand beim 21:22-Anschlusstreffer in der 56. Minute nochmals Siegeshoffnung auf. Es blieb aber bei der Hoffnung, denn das Heimteam zeigte sich in den Schlussminuten abgeklärt.

Eine wellenartige Leistungskurve

Dass die St.Gallerinnen ihren Titel nicht verteidigen konnten, ist in Teilen erklärbar. Die Saison war keine linear verlaufene - eher eine wellenartige. Sie starteten schlecht in die Meisterschaft. Die Leistungen wiesen auch wegen immer wieder verletzter Spielerinnen wenig Konstanz auf. «Wir setzten nach den Abgängen der letzten Jahre ausschliesslich auf  Rückraumspielerinnen aus dem eigenen Nachwuchs - viel Talent und viel Harmonie. Dieser Weg ist bewusst gewählt und beinhaltet natürlich auch einen nötigen Entwicklungsprozess, was Leadership anbelangt. Der findet statt, geht in die richtige Richtung, aber ist noch nicht abgeschlossen», analysiert Trainer Raphael Kramer. In der finalen Phase der Meisterschaft zeigte das Team dann aber doch auch seine Qualitäten. Auch individuelle Stärken kamen zum Tragen. So übernahm Malin Altherr immer mehr Verantwortung und entwickelte sich zur Topskorerin. Dimitra Hess wurde offensiv und defensiv zum sicheren Wert. «Leider konnten wir uns nun am Ende aber nicht selbst belohnen», sagt die Flügelspielerin, die mit dem LK Zug einmal und mit dem LCB schon dreimal Meisterin geworden ist. In der Verteidigungsarbeit lag die Leaderrolle unbestritten bei Mirjam Ackermann. «Dank meiner Erfahrung und meinem Alter kann ich vorausgehen. In der Offensive dagegen bin ich als Kreisspielerin mehrheitlich von meinen Mitspielerinnen abhängig», meint die 28jährige Captain.

Yellow, GC Amicitia und Brühl ebenbürtige Gegner

In der ersten Meisterschaftsphase waren Yellow Winterthur und GC Amicitia ebenbürtige Herausforderinnen der St.Gallerinnen, in der Endphase waren dies nur noch die Stadtzürcherinnen. «Sie hatten nicht nur auf den Cupsieg richtig Hunger, sondern auch auf den Meistertitel. Da wir in den entscheidenden Spielen nicht immer unser Leistungsmaximum abrufen konnten, gelang es uns nicht, den Titel zu verteidigen», sagt Kramer. So dürfte auch klar sein, in welche Richtung er die kommende Saison angehen wird. Es ist das Selbstverständnis des Rekordmeisters, dass er sich im nächsten Jahr die nach Zürich abgegebenen Titel zurückholen will. Mit zwei Silbermedaillen in einer Saison kann auch mit einem hoffnungsvollen, mit zahlreichen jungen Spielerinnen durchsetzten Team kaum Freude aufkommen.

GC Amicitia Zürich – LC Brühl 25:22 (13:11)
Saalsporthalle – 1250 Zuschauer – Sr.: L. Hardegger/S. Hardegger.

Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen GC Amicitia und 5-mal 2 Minuten gegen den LC Brühl.

GC Amicitia Zürich: Kuratli (6 Paraden)/Krüger (nicht eingesetzt); Bopp (2), Wick, Aellen (4/3), K. Erni, Winterberg (6), Kündig (1), Schmid (1), D Ambrosio, J. Erni (2), Schärer (8), Schläpfer (1).

LC Brühl: Kothen (10 Paraden und 1 Tor)/Kaufmann (4P.)/Dokovic (nicht eingesetzt); Kernatsch (7), Baljak (1), Ackermann (3), Altherr (4/1), Truchot (1), Coker, Schnider (3), Mosimann (1), Lüscher (1), Eugster, Usik, Hess, Arpagaus.

Bemerkungen: Verhältnis vergebener Penaltys 1:0. LC Brühl ohne Simova, Kikanovic, Lauper (alle verletzt) und Schäfer (überzählig).


Der 35. Titel ist für den LCB Brühl wieder möglich

St.Galler Nationalliga A-Handballerinnen gewinnen das vierte Spiel der Playoff-Finalserie gegen GC Amicitia Zürich 24:22 und gleichen die Serie zum 2:2 aus

Bericht: Fritz Bischoff, St.Galler Tagblatt
Foto: Benjamin Faes Photography

Das war eine eindrückliche Antwort, die die Handballerinnen des LC Brühl im vierten Spiel der Playoff-Final-Serie Best-of-Five gegen GC Amicitia auf die 24:32-Niederlage in Spiel drei gaben – ein 24:22-Heimsieg, der Ausgleich in der Serie zum 2:2 und damit die erzwungene Belle am Sonntag auswärts im Kampf um den Meistertitel. Meisterlich fiel die Leistung der St.Gallerinnen vor allem in der 1. Halbzeit (17:11) und zu Beginn des zweiten Spielabschnittes bis zur 20:12-Führung aus. Danach flachte das Geschehen beidseits etwas ab, die Kräfte liessen nach, die Konzentration wurde kleiner. Weil die Gastgeberinnen in den letzten sieben Minuten der Partie kein Tor mehr zu Stande brachten, mussten sie gar noch um den Sieg bangen. «Ja, da kam tatsächlich noch ein Zittern auf, denn unsere zuvor so ausgezeichnete Verteidigungsarbeit wurde immer schlechter», musste Trainer Raphael Kramer feststellen.

Überraschende Personalien
Vor dem Spiel hatte er angekündigt, dass er für das vierte Spiel noch Unerwartetes präsentieren könne. Dem war im personellen Sektor so und überraschte wohl auch die Zürcherinnen. Im Tor des Heimteams stand von Beginn weg Denise Kaufmann. Die 23jährige Österreicherin hatte auf diese Saison nach St.Gallen gewechselt. Doch im ersten Saisonspiel vom 30. August 2025 zog sie sich eine Bandscheibenverletzung zu und konnte seither kaum richtig trainieren, geschweige denn spielen. Die Partie gegen die Zürcherinnen war für sie so in neun Monaten erst der zweite Einsatz. «Ich habe erst im Abschlusstraining einen Tag vor dem Spiel erfahren, dass ich im Aufgebot bin und erst unmittelbar vor dem Spiel, dass ich auch spielen würde. Ich glaube, ich habe gar nicht so einen schlechten Tag erwischt», meinte sie nach dem Spiel mit einem breiten Lachen im Gesicht. Das war wohl noch leicht untertrieben, denn sie lieferte eine ausgezeichnete Leistung ab. Unverkennbar war, dass die gegnerischen Spielerinnen sie und ihren Spielstil nicht kannten. Zugutekam ihr auch, dass die Defensivarbeit ihrer Mitspielerinnen ausgezeichnet war. «Die Deckung war super. Wir hatten die Angriffe unseres Gegners mit sieben Feldspielerinnen im Griff», freute sich Kramer, dessen zweite personelle Überraschung die Position der linken Aufbauerin war. Er schenkte Ursina Schnider, die zuvor kaum einmal eingesetzt worden war, das Vertrauen. Die 20jährige spielte beeindruckend auf und erzielte in der 1. Halbzeit sechs Tore. Sie wollte nicht ihre eigene Leistung in den Vordergrund stellen. «Der Grundstein unseres guten Spiels war die Deckungsarbeit. Wir haben GC Amicitia für sein 7:6-Angriffsspiel bestraft und unser Tempospiel aufziehen können», meinte die nur 169 cm grosse Rückraumspielerin. Damit sprach sie auch die vier Treffer ins gegnerische leere Tor an. Diese Stärken werden auch im fünften Spiel, der Belle, am Sonntag ab 17.00 Uhr in Zürich gefragt sein. Dass sich dann die Gastgeberinnen nochmals aufbäumen werden, haben sie in der Schlussphase des vierten Spiels gezeigt, als ihnen nach dem Achttorerückstand der Anschlusstreffer nur knapp verwehrt blieb. Der LC Brühl wird dagegenhalten, denn so nah wie jetzt war er dem 35. Meistertitel die ganze Saison nie. Darum sagt Denise Kaufmann: «Jetzt ist für uns alles machbar.» Was sie nicht weiss, vor zwei Jahren lag der LCB Brühl im Playoff-Final gegen GC Amicitia in der Serie auch 1:2 zurück und sicherte sich dann im fünften Spiel den Titel. Das ist wohl ein gutes Ohmen.

LC Brühl – GC Amicitia Zürich 24:22 (17:11)
Kreuzbleiche – 1211 Zuschauer – Sr.: Abalo/Maurer.

Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen den LC Brühl und 3-mal 2 Minuten gegen GC Amicitia.

LC Brühl: Kothen (1 Parade)/Kaufmann (15 P.)/Dokovic (nicht eingesetzt); Kernatsch (3), Baljak, Ackermann (2), Altherr (8/3), Truchot, Coker (1), Schnider (6), Mosimann, Lüscher (1), Eugster, Usik, Hess (2), Arpagaus (1).

GC Amicitia Zürich: Kuratli (2 Paraden)/Krüger (9 P.); Bopp (2), Wick, Aellen (4/2), K. Erni, Winterberg (6), Kündig (2), Schmid (1), D Ambrosio, J. Erni (3/1), Schärer (3), Schläpfer (1).

Bemerkungen: Verhältnis vergebener Penaltys 1:1. LC Brühl ohne Simova, Kikanovic, Lauper (alle verletzt) und Schäfer (überzählig).


U16E: Herzliche Gratulation zur Silbermedaille

Die U16 Elite Juniorinnen blicken auf eine bemerkenswerte Saison zurück, die mit der Silbermedaille ihren verdienten Abschluss fand.

Bericht: Joël Wachter, Geschäftsführer
Foto: Balthasar Dörig

Vor dem Playoff-Final war die Favoritenrolle klar verteilt: Die Baslerinnen von Handball Nordwest galten als Favoritinnen auf den Meistertitel. Doch der LC Brühl Handball hatte im Verlauf der Saison bereits mehrfach bewiesen, dass man auch gegen Topteams bestehen kann.

Dass die Brühlerinnen überhaupt in den Final einzogen, war im Herbst noch alles andere als selbstverständlich. Damals kämpfte das Team noch um die Qualifikation für die Finalrunde der besten sechs Mannschaften. Umso beeindruckender ist die Entwicklung, welche die Mannschaft in den vergangenen Monaten genommen hat.

Das erste Finalspiel in der heimischen Halle fand in einer aussergewöhnlichen Atmosphäre statt. Rund 400 Zuschauerinnen und Zuschauer sorgten für lautstarke Unterstützung und trugen das Team zu einem starken Auftritt. Der LC Brühl Handball zeigte eine mutige Leistung und lag zwischenzeitlich sogar in Führung. Nach dem Seitenwechsel erhöhte Handball Nordwest den Druck und setzte sich rund zehn Minuten vor Schluss auf fünf Tore ab. Doch unsere Juniorinnen bewies grosse Moral, kämpfte sich eindrucksvoll zurück und hielt mit der knappen 22:23-Niederlage alle Chancen für das Rückspiel offen.

Auch im zweiten Finalspiel wartete eine beeindruckende Kulisse. Die Stimmung war intensiv, denn Handball Nordwest wollte den ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte unbedingt perfekt machen. Die Brühlerinnen liefen zwar über weite Strecken einem Rückstand hinterher, liessen sich jedoch nie abschütteln und kämpften bis zum Schluss. Am Ende fehlte erneut nur ein einziges Tor.

Trotz der beiden knappen Niederlagen überwiegt der Stolz auf das Erreichte. Unsere U16-Elite hat den Favoritinnen über zwei Spiele hinweg alles abverlangt, ist als Team enorm zusammengewachsen und hat mit grossem Kampfgeist eine überraschend erfolgreiche Saison gekrönt.

Silber für den LC Brühl – und eine starke Basis für die Zukunft.


LC Brühl mit dem Rücken zur Wand

St.Galler Nationalliga A-Handballerinnen wollen die Playoff-Final-Serie gegen GC Amicitia Zürich zum 2:2 ausgleichen

Bericht: Fritz Bischoff, St.Galler Tagblatt
Foto: Beatrice Hänsler

Der LC Brühl steht nach der 24:32-Niederlage gegen GC Amicitia im dritten Spiel der Playoff-Final-Serie nach dem Modus Best-of-Five der Frauenhandballerinnen vor der schwierigsten Aufgabe der gesamten Saison. Wollen die St.Gallerinnen ihren Titel verteidigen, zum vierten Mal in Folge die Goldmedaille gewinnen und so dem Verein den 35. Meistertitel bescheren, haben sie eine Herkulesaufgabe zu bewältigen. In ihrem Heimspiel am Donnerstagabend ab 19.15 Uhr in der Sporthalle Kreuzbleiche steht ihnen mit dem Herausforderer aus Zürich ein Team gegenüber, das vor Selbstvertrauen strotzt, den ersten Matchball nutzen will, dem Verein nach dem erstmaligen Cupsieg in diesem Jahr auch den ersten Titel seit der Fusion im Jahre 2010 der beiden Vereine Grasshoppers und ZMC Amicitia bescheren will. «Wir haben mit dem Sieg im dritten Spiel grosses Selbstvertrauen getankt. Wir wissen aber, dass der dritte notwendige Sieg zum Titelgewinn kein Selbstläufer wird», sagt Hannah Bopp, die bei den Zürcherinnen Teammanagerin ist. Vor einem Jahr ist sie als Spielerin zurückgetreten, hat dann aber ihr Comeback wieder gegeben. Für das kommende Spiel gegen den LC Brühl erwartet sie eine harte Auseinandersetzung. «Die St.Gallerinnen geben sicher nicht auf. Sie werden alles geben, um es in die Belle zu schaffen.»

Es beginnt wieder bei null

Trotz der Tatsache, dass GC Amicitia in Spiel vier bei seinem ersten Matchball zum Titelgewinn weit weniger Siegesdruck verspüren wird als das Heimteam, gibt man sich bei den St,Gallerinnen voller Zuversicht. «Wir werden alles auf die Platte hauen. Dazu ist die Unterstützung durch das Publikum ein entscheidender Faktor», ist Captain Mirjam Ackermann überzeugt. Ihr Trainer Raphael Kramer ist sich auch sicher, dass die Kulisse sein Team zum Sieg tragen wird. «Dass wir das dritte Spiel verloren haben, schmerzte unbestritten. Die Höhe der Niederlage ist jedoch in den Playoff unbedeutend. In jedem Spiel gibt es nur zwei Punkte zu gewinnen. Das Torverhältnis ist bedeutungslos. So beginnt es am Donnerstagabend wieder bei null.» Der Mut scheint nach dem mutlosen Auftritt der Brühlerinnen am Pfingstsamstag in Zürich wieder zurück zu sein.

LC Brühl – GC Amicitia Zürich
Donnerstag, 28.05.2026, 19.15 Uhr
Sporthalle Kreuzbleiche, St.Gallen – Sr.: Abalo/Maurer.


LC Brühl gegen den Cupsieger chancenlos

St.Galler Nationalliga A-Handballerinnen verlieren bei GC Amicitia Zürich das dritte Playoff-Finalspiel deutlich mit 24:32

Bericht: Fritz Bischoff, St.Galler Tagblatt
Foto: Balthasar Dörig

Nach je einem 27:26-Sieg in den ersten beiden Partien der Playoff-Finalserie nach dem Modus Best-of-Five im Frauenhandball zwischen dem Cupsieger GC Amicitia Zürich und dem Titelverteidiger LC Brühl war der dritte Vergleich eine klare Angelegenheit zu Gunsten der Zürcherinnen. Sie waren ganz einfach das bessere Team und verdienten sich ihren 32:24-Sieg ohne Wenn und Aber. In der Startphase fanden die St.Gallerinnen besser und schneller zu ihrem gewünschten Spiel. 5:3 führten sie in der achten Minute. Doch erfreuen konnten sie sich ihrer Besserstellung nur ganz kurz. Das Heimteam erzielte innerhalb von vier Minuten vier Tore in Folge und lag damit 7:5 vorne. Im weiteren Spielverlauf gab GC Amicitia seine Führung nie mehr ab. Dem LC Brühl gelang es in der 1. Halbzeit wohl noch viermal den Anschlusstreffer zu erzwingen, doch der Ausgleich blieb verwehrt.

Mutloser Auftritt nach der Pause

Nach dem 16:14 zur Pause zeigte das Gastteam in der 2. Halbzeit kurzfristig die angestrebte Reaktion. Doch der Anschlusstreffer zum 19:18 von Torhüterin Sladana Dokovic ins leere gegnerische Tor war nicht der erhoffte Impuls, der dem Team hätte einen Ruck verpassen können. Fünf Treffer der Zürcherinnen in Folge von der 36. bis 41. Minute führten dazu, dass in der Playoff-Finalserie erstmals eine Equipe mit mehr als drei Toren Diffedrenz in Führung lag. Eine Vorentscheidung zu Gunsten der Gastgeberinnen war gefallen. Die Brühlerinnen wirkten mutlos, hilflos und fielen als Team immer mehr auseinander. GC Amicitia dagegen spielte seinen Gameplan stilsicher zu Ende. Während der gesamten Spielzeit war es die Taktik von Trainer Kent Ballegaard gewesen in der Offensive seine Torhüterin aus dem Spiel zu nehmen und sie durch eine siebte Feldspielerin zu ersetzen. Da diese Taktik schon mehrfach praktiziert wurde, war der LC Brühl darauf wohl vorbereitet, doch nicht auf die Art und Weise wie diese Überzahl gespielt wurde. Der ehemalige dänische Spitzenhandballer Kent Ballegaard, der seit der Saison 2021/22 Cheftrainer der Zürcherinnen ist, hatte wieder tief in seine Trickkiste gegriffen. Er liess seine Linkshänderinnen nicht auf der rechten Angriffsseite spielen, sondern entgegen sonstigen Gepflogenheiten auf der linken Seite. Unter der Führung seiner Regisseurin Kerstin Kündig wurde die St.Galler Abwehr damit überfordert. Nicht überfordert war dagegen die Defensive der Zürcherinnen von der Offensive der St.Gallerinnen. In Ermangelung von Abschlüssen aus der zweiten Reihe agierte GC Amicitia kompakt. Dazu kam, dass sich Torhüterin Seraina Kuratli nach der Pause deutlich zu steigern wusste und ihrem Team mit einer Abwehrquote von 42 Prozent zu einem sicheren Rückhalt wurde.

Das vierte Spiel der Playoff-Finalserie ist auf den kommenden Donnerstag in St.Gallen angesetzt. Wollen die Brühlerinnen die Serie auf 2:2 stellen und ihre Hoffnungen auf den 35. Meistertitel weiterleben lassen, hat das Trainerteam um Raphael Kramer zusammen mit den Spielerinnen viele Hausaufgaben zu erledigen.

Handball Frauen NLA – Dritter Playoff-Final der Serie Best-of-Five

GC Amicitia Zürich – LC Brühl 32:24 (16:14)
Saalsporthalle – 615 Zuschauer – Sr.: Brunner/Salah.

Strafen: 1-mal 2 Minuten gegen GC Amicitia und 4-mal 2 Minuten gegen den LC Brühl.

GC Amicitia Zürich: Kuratli (12 Paraden)/Krüger (1 P.); Bopp (4), Wick, Aellen (9/5), K. Erni, Winterberg (6), Kündig (2), Schmid (6), D Ambrosio (1), J. Erni (2), Schärer (2), Schläpfer.

LC Brühl: Kothen (8 Paraden und 1 Tor)/Dokovic (4 P. und 1 Tor)/Schäfer (0 P.); Kernatsch (5), Baljak (4), Ackermann (1), Altherr (5/4), Truchot, Coker, Schnider (4), Mosimann, Lüscher (1), Eugster, Usik, Hess (2), Arpagaus.

Bemerkungen: Verhältnis vergebener Penaltys 3:2. LC Brühl ohne Simova, Kikanovic, Lauper und Kaufmann (alle verletzt).


Brühls Hoffnungen zum 35. Meistertitel leben

St.Galler Nationalliga A-Handballerinnen gewinnen das zweite Spiel der Playoff-Finalserie gegen GC Amicitia Zürich nach Verlängerung 27:26

Bericht: Fritz Bischoff, St.Galler Tagblatt
Bild: Balthasar Dörig

Kampf, Spannung, Hektik, Emotionen, Intensität, Standing Ovations in den Schlussminuten der 1221 Zuschauerinnen und Zuschauer, verbunden mit dem 27:26-Heimsieg nach Verlängerung des LC Brühl gegen GC Amicitia Zürich. Das zweite Spiel der Playoff-Finalserie nach dem Modus Best-of-Five bot alles, was das Herz von Sportbegeisterten höherschlagen lässt, und war beste Propaganda für den Frauenhandball. Nach der 26:27-Auswärtsniederlage in der ersten Partie – damals nach 60 Minuten – steht es in der Serie 1:1. Am Samstag kommt es in Zürich zum dritten Finalvergleich der beiden besten Teams der Saison. Es dürfte die Vorentscheidung um den Titel sein, denn die Siegerinnen haben danach zwei Matchbälle. «Wir wollten den Sieg in Spiel zwei. Wir wollen den Sieg in den nächsten beiden Partien. Wir wollen den 35. Meistertitel», gibt die St.Galler Captain Mirjam Ackermann die Richtung vor.

Zwei Teams auf Augenhöhe

Das Erreichen des Ziels des Rekordmeisters wird allerdings ein hartes Unterfangen werden. Auch im zweiten Spiel vor begeisterter Kulisse begegneten sich zwei Teams auf Augenhöhe. Während der 70 Spielminuten gelang es keiner Equipe auch nur ein einziges Mal mit mehr als zwei Toren die Führung für sich zu beanspruchen. «Es war wieder der erwartet enge Spielverlauf mit beidseitiger Playoff-Härte», stellte Ackermann fest. Die angesprochene Härte wurde von beiden Teams von Beginn weg praktiziert. Der LC Brühl agierte mit einer sehr offensiv ausgerichteten Verteidigungsarbeit. Das Heimteam versuchte damit den Spielfluss der Gegnerinnen zu unterbinden. Der Zürcher Trainer Kent Ballegaard war darauf offensichtlich vorbereitet und beorderte schon nach wenigen Minuten im Angriff seine Torhüterin jeweils auf die Bank, um sie durch eine siebte Feldspielerin zu ersetzen. Überraschend kam dies für die Gastgeberinnen nicht. «Wir leisteten auch gegen sieben Feldspielerinnen gute Abwehrarbeit. Eher negativ vielen phasenweise unsere Offensivaktionen aus. Unsere Fehlerzahl war zu hoch», stellte Dimitra Hess fest.

Entscheidende Torhüterinnen-Leistungen

Lobende Worte fand die linke Flügelspielerin für ihre beiden Torfrauen. Norah Kothen zeigte bis zur 48. Minute zum Teil ausgezeichnete Abwehraktionen. Als sie dann auf das Spiel nicht mehr den richtigen Zugriff hatte, fand sie in Sladana Dokovic eine mehr als würdige Nachfolgerin. Die Altmeisterin überzeugte in der Schlussphase der regulären Spielzeit und in der Verlängerung mit Können und Emotionen wie zu ihren besten Zeiten. Ihre Leistung war ein wichtiger Faktor zum Sieg. Dies sah auch die Altmeisterin bei den Zürcherinnen so. «Die Leistungen der Torhüterinnen waren entscheidend. Wir haben das Duell der Torhüterinnen und damit auch das Spiel verloren», stellte Kerstin Kündig, die zum Saisonende ihren Rücktritt erklärt hat, fest. Sie merkte aber auch noch an, dass ihr Team zum Teil zu ängstlich agiert habe und das wahre Können nicht abgerufen habe. Da dachte sie wohl auch an die Schlussminuten der regulären Spielzeit, als eine 21:19-Führung nicht zum Sieg verwaltet werden konnte oder an den letzten Abschluss in der Verlängerung, als der Ball von Sladana Dokovic an die Latte gelenkt wurde und so die Niederlage der Zürcherinnen Tatsache war.

LC Brühl – GC Amicitia Zürich 27:26 (11:10/22:22/25:24)
Kreuzbleiche – 1221 Zuschauer – Sr.: H. Albert Gallardo/O. Albert Gallardo.

Strafen: 5-mal 2 Minuten gegen den LC Brühl (inklusive Disqualifikation für 3 x 2 Min. von Ackermann in der 56. Minute) und 3-mal 2 Minuten gegen GC Amicitia.

LC Brühl: Kothen (14 Paraden)/Dokovic (5 P.)/Schäfer (nicht eingesetzt); Kernatsch (3), Baljak (6), Ackermann ()1, Altherr (8/3), Truchot, Coker, Schnider (1), Mosimann, Lüscher (3), Eugster (2), Usik, Hess (2), Arpagaus (1).

GC Amicitia Zürich: Kuratli (15 Paraden)/Krüger (0 P.); Bopp, Wick, Aellen (7/3), K. Erni (1), Winterberg (5), Kündig (3), Schmid (3), D Ambrosio (1), J. Erni, Schärer (6), Schläpfer.

Bemerkungen: Verhältnis vergebener Penaltys 1:0. LC Brühl ohne Simova, Kikanovic, Lauper und Kaufmann (alle verletzt).


LC Brühl will die Serie auf 1:1 stellen

St.Galler Titelverteidigerinnen im Frauenhandball wollen im Playoff-Final gegen GC Amicitia den ersten Sieg.

Bericht: Fritz Bischoff, St.Galler Tagblatt
Bild: Benjamin Faes Photography

Zum vierten Mal in Folge stehen die Nationalliga A-Handballerinnen des LC Brühl im Playoff-Final. Das erste Spiel der Best-of-Five-Serie haben sie am Samstag in Zürich gegen GC Amicitia 26:27 verloren. Für den Titelverteidiger ist in diesem Jahr in der finalen Phase im Gegensatz zu den vergangenen vier Jahren etwas anders. Der Rekordmeister hat die Finalrunde nicht auf dem ersten Platz abgeschlossen. Nach 24 Runden hatte er als Tabellenzweiter neun Punkte Rückstand auf die Zürcherinnen. In den Halbfinals hatten beide Teams Heimrecht und setzten sich in zwei Partien (GC Amicitia gegen den LK Zug und der LC Brühl gegen Yellow Winterthur) durch. Da für die Finalserie die Rangierung der Finalrunde über das Heimrecht entscheidet, war der Auftakt zu den möglichen fünf Partien nicht in der St.Galler Sporthalle Kreuzbleiche, sondern in der Zürcher Saalsporthalle. Ob dies nun für den 34fachen Meister ein Nachteil war, ist kaum zu beurteilen. Die Statistik der vergangenen drei Jahr mit zehn Partien in Zürich zeigt bei fünf Siegen der Gastgeberinnen, vier Siegen des Gästeteams und einem Unentschieden ein ausgeglichenes Bild.

Brühl unter Zugzwang

Von den letzten zehn Direktvergleichen in St.Gallen entschied der LC Brühl bei drei Niederlagen und einem Unentschieden deren sechs zu seinen Gunsten. Wohl nicht nur wegen dieser Werte fordert LCB-Trainer Raphael Kramer am Mittwochabend ab 19.15 Uhr von seinen Spielerinnen einen Sieg. «Wir müssen die Serie auf 1:1 stellen», hält er fest. Sein Team steht unter Zugzwang. Eine zweite Niederlage und das 0:2 in der Serie würde zur wohl übermächtigen Hypothek. Die Brühlerinnen haben im ersten Spiel gezeigt, dass sie mit dem Cupsieger auf Augenhöhe sind. Kramer will in der Offensive mehr Risikobereitschaft. Da verletzungsbedingt mit Katarina Simova und Clairebel Coker die beiden grossgewachsenen Rückraumspielerinnen nicht für die Tore aus der zweiten Linie sorgen können, wird der Druck auf die gegnerischen Schnittstellen der Defensive entscheidend sein.

LC Brühl - GC Amicitia Zürich
20.05.2026, 19.15 Uhr, Sporthalle Kreuzbleiche – Sr.: Albert Gallardo Héctor/Albert Gallardo Oscar.


LC Brühl mit zu wenig Risikobereitschaft

St.Galler Nationalliga A-Handballerinnen verlieren bei GC Amicitia Zürich das erste Spiel der Playoff-Finalserie 26:27.

Bericht: Fritz Bischoff, St.Galler Tagblatt
Bild: Benjamin Faes Photography

Die erste Partie der Playoff-Finalserie nach dem Modus Best-of-Five im Frauenhandball zwischen dem Cupsieger GC Amicitia Zürich und dem Titelverteidiger LC Brühl verlief so, wie dies erwartet worden war. Es standen sich zwei Teams auf Augenhöhe gegenüber. Am Ende waren es Kleinigkeiten, die über Sieg und Niederlage entschieden. Dementsprechend knapp fiel mit dem 27:26-Heimsieg der Zürcherinnen das Schlussergebnis aus. Dass es nicht zur Verlängerung kam, war auch einer Kleinigkeit geschuldet. Die St.Gallerinnen erhielten vier Sekunden vor Spielende noch einen Freiwurf zugesprochen. Nach einem Zuspiel von Mirjam Ackermann auf Malin Altherr zielte diese um wenige Zentimeter über das Tor. Die Schlusssirene ertönte, die Zürcherinnen jubelten und es stand in der Serie 1:0 zu ihren Gunsten. Die zweite Partie findet am kommenden Mittwoch mit Spielbeginn um 19.15 Uhr in der St.Galler Sporthalle Kreuzbleiche statt.

Brühl nur viermal in Führung

Auch dann wird wieder ein enger Spielverlauf zu erwarten sein, wie dies in Spiel eins der Fall war. Wohl führte GC Amicitia mehrheitlich, doch überlegen agierte das Heimteam trotz der Tatsache nicht, dass das Gästeteam nur viermal in der Startviertelstunde und während genau 290 Sekunden die Führung für sich in Anspruch nehmen konnte. Die Zürcherinnen schafften es aber auch nie, ihren Vorsprung auf mehr als drei Tore zu vergrössern. Die St.Gallerinnen erzielten immer wieder den Anschlusstreffer oder gar den Ausgleich. Der Führungstreffer jedoch blieb ihnen trotz guter Abschlussmöglichkeiten verwehrt. Dies lag zum einen an der zupackenden Abwehrarbeit ihrer Gegnerinnen, aber auch an eigenem Unvermögen. Aus dem Rückraum wurde zu wenig Druck auf die Schnittstellen in der taktisch gut vorbereiteten gegnerischen Defensiv erzeugt. Die Laufwege führten oft nicht in die Tiefe, sondern in die Quere oder wie es Trainer Raphael Kramer formulierte: «Zu zahlreich spielten wir Alibiabläufe ohne Risikobereitschaft. Einzelne Spielerinnen übernahmen zu wenig Verantwortung.» Dass Brühl ohne grosses Risiko agierte zeigt auch die Fehlerstatistik. In der 1. Halbzeit war kein einziger Fehler zu verzeichnen, in der Zweiten waren es nur deren drei. Diese Zahlen an unerzwungenen Ballverlusten wären an sich ausgezeichnet, doch lassen sie auch die bemängelte Risikobereitschaft erkennen.

Sladana Dokovic schon wieder ein Rückhalt

Defensiv fiel die Leistung des Rekordmeisters mit den 27 Gegentreffern im Rahmen der bisherigen Direktbegegnungen aus. Mängel gab es ab und zu im Rückzugsverhalten und den Absprachen bezüglich der Kompaktheit. Dass der Vorsprung des Heimteams nie vorentscheidend wurde, war auch ein Verdienst von Sladana Dokovic. Nach 20 Minuten löste sie die eher glücklos agierende Norah Kothen im Tor ab. «Es war schon ein spezielles Gefühl und ich hatte wohl gewisse Anlaufschwierigkeiten, aber dann fühlte es sich recht gut an», sagte die 30jährige, die vor einem Jahr ihren Rücktritt erklärt hatte und nun in den Playoff ein Comeback gibt.

Handball Frauen NLA – Erster Playoff-Final der Serie Best-of-Five

GC Amicitia Zürich – LC Brühl 27:26 (15:14)
Saalsporthalle – 450 Zuschauer – Sr.: Spengler/Woschitz.

Strafen: 0-mal 2 Minuten gegen GC Amicitia und 2-mal 2 Minuten gegen den LC Brühl.

GC Amicitia Zürich: Kuratli (9 Paraden)/Krüger (1 P.); Bopp (3), Wick, Aellen (11/6), K. Erni, Winterberg (5), Kündig (2), Schmid (1), D Ambrosio, J. Erni (2), Schärer (2), Schläpfer (1).

LC Brühl: Kothen (1 Parade)/Dokovic (8 P.)/Schäfer (nicht eingesetzt); Kernatsch (3), Baljak (2), Ackermann (3), Altherr (8/6), Truchot, Coker, Schnider, Mosimann (1), Lüscher, Eugster (1), Usik, Hess (6), Arpagaus (2).

Bemerkungen: Verhältnis vergebener Penaltys 0:1. LC Brühl ohne Simova, Kikanovic, Lauper und Kaufmann (alle verletzt).


Norah Kothen - zwischen Leistungssport und zwei Studien

Die Torhüterin der LC Brühl-Handballerinnen ist im Playoff-Final gegen GC Amicitia eine entscheidende Leistungsträgerin

Bericht: Fritz Bischoff
Bild: Balthasar Dörig

Zum vierten Mal in Folge haben sich die Handballerinnen des LC Brühl für den Playoff-Final qualifiziert und zum vierten Mal in Folge wollen sich die St.Gallerinnen die Goldmedaillen umhängen lassen. Es wäre für den Rekordmeister der 35.Titelgewinn. Wie schon vor zwei Jahren ist der Playoff-Finalgegner GC Amicitia Zürich. Vor dem ersten Spiel der Best-of-5-Serie vom Samstag um 18.00 Uhr in der Zürcher Saalsporthalle sind es nicht nur taktische Komponenten, die die Vorbereitungen prägen, sondern auch personelle. Der Zürcher Finalrunden- und Cupsieger schlägt sich schon die ganze Saison mit einem schmalen Kader durch. Der LC Brühl war und ist immer wieder mit Verletzungsproblemen konfrontiert. Insbesondere die Position der Torhüterin stellte an die Verantwortlichen oft neue Herausforderungen. Deshalb wurde jüngst die vor einem Jahr zurückgetretene Sladana Dokovic reaktiviert. Sie soll im Bedarfsfall nicht nur der Torhüterin Nummer 1 – Norah Kothen – ersetzen, sondern ganz einfach auch Belastung von ihr nehmen.

Liebe zum Studium und zum Handball

Die 21jährige Deutsche bezeichnet sich selbst als recht unkonventionell und als einen Nerd, also jemanden, der für ein Thema «brennt» und dafür viel Zeit investiert, um diese zu verstehen und zu vertiefen. Sie bewältigt ein Studium im politik-soziologischen Bereich und eines im mathematischen mit angewandter künstlicher Intelligenz. Dazu widmet sie sich intensiv dem Handball. «Ich liebe beides – meine Studiengänge und den Handballsport. Das alles ist zwar eine unübliche Kombination, dennoch gibt es mir unfassbar viel Energie, mich mit Freunden über gemeinsame Interessen aus diesen Bereichen, die in meinen Studienrichtungen vorkommen, zu unterhalten. Als Kind hatte ich bereits für ein Mädchen unübliche Verhaltensweisen und Interessen wie Technik, Lego und Schach. Lange Zeit dachte ich, mich an konventionelle Hobbies anpassen zu müssen. Mittlerweile stehe ich dazu und beschäftige mich neben dem Sport gerne und sehr viel mit Informatik und Philosophie.»

Nicht viel zwischen den Ohren

Wenn man der 171,5 cm grossen und 72 kg schweren Handballerin zuhört und ihren Gedanken zu folgen versucht, kommt bald einmal die Frage der Intelligenz und ihres Intelligenzquotienten auf. Ihre Antwort verbindet sie mit einem Lachen. «Meinen IQ habe ich noch nie bestimmt. Ich denke, dass er unter primitiv einzuordnen ist, denn sonst würde ich nicht im Handballtor stehen, mich von klebrigen Bällen abwerfen lassen und daran auch noch Freude haben. Da kann nicht so viel Intelligenz zwischen meinen Ohren sein.» Begonnen hat ihre Handballkarriere an ihrem Geburtsort Grefrath nicht als Torfrau, sondern als Feldspielerin im mittleren Rückraum. Es kam im Nachwuchsbereich dann eine Zeit, in der sie eine Halbzeit auf dem Feld und die andere im Tor spielte. Nach einer Fussverletzung wurde sie dann endgültig zur Torhüterin. Ihrem Talent geschuldet führte sie ihr Weg bis in die Bundesliga zu Dortmund. Von dort wechselte sie – auch mit der Erfahrung aus den Nachwuchsnationalteams und europäischen Vereinseinsätzen ausgestattet – vor einem Jahr zum LC Brühl. «Ich wollte meine Komfortzone verlassen und ins Ausland wechseln. Ich wollte mich menschlich weiterentwickeln. Trotz ab und zu Heimweh, habe ich den Schritt nicht bereut.»

Im Tor extrovertierter als privat

Obwohl St.Gallen im Vergleich zu Dortmund ein eigentliches Dorf sei, hat sich Norah Kothen in der Schweiz mittlerweile bestens eingelebt. In ihrem Team ist sie zu einer wichtigen Führungsspielerin, die viel Verantwortung übernimmt, geworden. «Ich will dem Spiel meinen Stempel aufdrücken und auch meine Freiheiten ausleben. Im Tor bin ich allerdings deutlich extrovertierter als privat. Da bin ich ruhiger, zurückhaltender und beobachtender. Viel Zeit verbringe ich mit meinen Studien, meinen spezifischen Interessen, mit dem Sport und am Telefon mit meinen besten Freunden.» Die Saison will sie mit dem Meistertitel abschliessen. Dies, obwohl dem Team die Alterserfahrung fehle. «Wir blicken auf durchwachsene Monate zurück. Es ist, wie wenn ein Tornado durch das Meer gefegt wäre. Einmal waren wir auf den Wellen ganz oben und dann wieder unten. Das ist schon krass. Aber egal, wie ambivalent unsere Leistungen während der Saison waren, in der entscheidenden Phase sind wir jetzt bereit.» So freut sich die Brühler Torfrau jetzt auf das Meisterschaftsfinale, aber auch schon ein Wenig auf die kommende Saison. Dank dem Zuzug von Claire Hartz und der Genesung von Denise Kaufmann sollte auf ihr nicht mehr die alleinige Last zwischen den Torpfosten liegen. «Dann kann ich wirklich Vollgas geben und muss nicht immer eine gewisse Angst in mir haben, dass wir bei einer Verletzung meinerseits in eine schlimme Situation gelangen würden.»


LC Brühl Handball

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