St.Galler Nationalliga A-Handballerinnen verlieren die fünfte Playoff-Final-Partie gegen GC Amicitia Zürich 22:25
Bericht: Fritz Bischoff, St.Galler Tagblatt
Foto: Beatrice Hänsler
Der LC Brühl verpasst seinen 35. Meistertitel und damit die Titelverteidigung im Handball der Nationalliga A Frauen. Im entscheidenden fünften Spiel der Playoff-Finalserie verlieren die St.Gallerinnen in Zürich vor 1250 Zuschauern gegen GC Amicitia 22:25. Für die Zürcherinnen ist es nach dem 26:25 im Cupfinal gegen den Rekordmeister der zweite Titel der Saison, wogegen die Brühlerinnen erstmals seit vier Jahren ohne einen Titel bleiben. Für den neuen Meister ist es seit der Fusion der beiden Vereine Grasshoppers und ZMC Amicitia im Jahre 2010 überhaupt der erste Meistertitel. Dieser fiel in der Endabrechnung mit dem 3:2-Seriensieg ebenso knapp aus, wie es im Cupfinal der Fall gewesen ist. Doch unverdient ist der Erfolg nicht. Die Zürcherinnen waren über die ganze Saison das beste und ausgeglichenste Team. Auch im letzten Saisonspiel gelang es ihnen wieder, ihr Leistungsoptimum abzurufen. Der LC Brühl agierte gegen die starke gegnerische Verteidigungsarbeit oft zu fehlerhaft und zu ungenau in seinen Abschlüssen. Trotzdem keimte in der Schlussphase nach einem Fünftorerückstand beim 21:22-Anschlusstreffer in der 56. Minute nochmals Siegeshoffnung auf. Es blieb aber bei der Hoffnung, denn das Heimteam zeigte sich in den Schlussminuten abgeklärt.
Eine wellenartige Leistungskurve
Dass die St.Gallerinnen ihren Titel nicht verteidigen konnten, ist in Teilen erklärbar. Die Saison war keine linear verlaufene – eher eine wellenartige. Sie starteten schlecht in die Meisterschaft. Die Leistungen wiesen auch wegen immer wieder verletzter Spielerinnen wenig Konstanz auf. «Wir setzten nach den Abgängen der letzten Jahre ausschliesslich auf Rückraumspielerinnen aus dem eigenen Nachwuchs – viel Talent und viel Harmonie. Dieser Weg ist bewusst gewählt und beinhaltet natürlich auch einen nötigen Entwicklungsprozess, was Leadership anbelangt. Der findet statt, geht in die richtige Richtung, aber ist noch nicht abgeschlossen», analysiert Trainer Raphael Kramer. In der finalen Phase der Meisterschaft zeigte das Team dann aber doch auch seine Qualitäten. Auch individuelle Stärken kamen zum Tragen. So übernahm Malin Altherr immer mehr Verantwortung und entwickelte sich zur Topskorerin. Dimitra Hess wurde offensiv und defensiv zum sicheren Wert. «Leider konnten wir uns nun am Ende aber nicht selbst belohnen», sagt die Flügelspielerin, die mit dem LK Zug einmal und mit dem LCB schon dreimal Meisterin geworden ist. In der Verteidigungsarbeit lag die Leaderrolle unbestritten bei Mirjam Ackermann. «Dank meiner Erfahrung und meinem Alter kann ich vorausgehen. In der Offensive dagegen bin ich als Kreisspielerin mehrheitlich von meinen Mitspielerinnen abhängig», meint die 28jährige Captain.
Yellow, GC Amicitia und Brühl ebenbürtige Gegner
In der ersten Meisterschaftsphase waren Yellow Winterthur und GC Amicitia ebenbürtige Herausforderinnen der St.Gallerinnen, in der Endphase waren dies nur noch die Stadtzürcherinnen. «Sie hatten nicht nur auf den Cupsieg richtig Hunger, sondern auch auf den Meistertitel. Da wir in den entscheidenden Spielen nicht immer unser Leistungsmaximum abrufen konnten, gelang es uns nicht, den Titel zu verteidigen», sagt Kramer. So dürfte auch klar sein, in welche Richtung er die kommende Saison angehen wird. Es ist das Selbstverständnis des Rekordmeisters, dass er sich im nächsten Jahr die nach Zürich abgegebenen Titel zurückholen will. Mit zwei Silbermedaillen in einer Saison kann auch mit einem hoffnungsvollen, mit zahlreichen jungen Spielerinnen durchsetzten Team kaum Freude aufkommen.
GC Amicitia Zürich – LC Brühl 25:22 (13:11)
Saalsporthalle – 1250 Zuschauer – Sr.: L. Hardegger/S. Hardegger.
Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen GC Amicitia und 5-mal 2 Minuten gegen den LC Brühl.
GC Amicitia Zürich: Kuratli (6 Paraden)/Krüger (nicht eingesetzt); Bopp (2), Wick, Aellen (4/3), K. Erni, Winterberg (6), Kündig (1), Schmid (1), D Ambrosio, J. Erni (2), Schärer (8), Schläpfer (1).
LC Brühl: Kothen (10 Paraden und 1 Tor)/Kaufmann (4P.)/Dokovic (nicht eingesetzt); Kernatsch (7), Baljak (1), Ackermann (3), Altherr (4/1), Truchot (1), Coker, Schnider (3), Mosimann (1), Lüscher (1), Eugster, Usik, Hess, Arpagaus.
Bemerkungen: Verhältnis vergebener Penaltys 1:0. LC Brühl ohne Simova, Kikanovic, Lauper (alle verletzt) und Schäfer (überzählig).
