St.Galler Nationalliga A-Handballerinnen gewinnen das vierte Spiel der Playoff-Finalserie gegen GC Amicitia Zürich 24:22 und gleichen die Serie zum 2:2 aus
Bericht: Fritz Bischoff, St.Galler Tagblatt
Foto: Benjamin Faes Photography
Das war eine eindrückliche Antwort, die die Handballerinnen des LC Brühl im vierten Spiel der Playoff-Final-Serie Best-of-Five gegen GC Amicitia auf die 24:32-Niederlage in Spiel drei gaben – ein 24:22-Heimsieg, der Ausgleich in der Serie zum 2:2 und damit die erzwungene Belle am Sonntag auswärts im Kampf um den Meistertitel. Meisterlich fiel die Leistung der St.Gallerinnen vor allem in der 1. Halbzeit (17:11) und zu Beginn des zweiten Spielabschnittes bis zur 20:12-Führung aus. Danach flachte das Geschehen beidseits etwas ab, die Kräfte liessen nach, die Konzentration wurde kleiner. Weil die Gastgeberinnen in den letzten sieben Minuten der Partie kein Tor mehr zu Stande brachten, mussten sie gar noch um den Sieg bangen. «Ja, da kam tatsächlich noch ein Zittern auf, denn unsere zuvor so ausgezeichnete Verteidigungsarbeit wurde immer schlechter», musste Trainer Raphael Kramer feststellen.
Überraschende Personalien
Vor dem Spiel hatte er angekündigt, dass er für das vierte Spiel noch Unerwartetes präsentieren könne. Dem war im personellen Sektor so und überraschte wohl auch die Zürcherinnen. Im Tor des Heimteams stand von Beginn weg Denise Kaufmann. Die 23jährige Österreicherin hatte auf diese Saison nach St.Gallen gewechselt. Doch im ersten Saisonspiel vom 30. August 2025 zog sie sich eine Bandscheibenverletzung zu und konnte seither kaum richtig trainieren, geschweige denn spielen. Die Partie gegen die Zürcherinnen war für sie so in neun Monaten erst der zweite Einsatz. «Ich habe erst im Abschlusstraining einen Tag vor dem Spiel erfahren, dass ich im Aufgebot bin und erst unmittelbar vor dem Spiel, dass ich auch spielen würde. Ich glaube, ich habe gar nicht so einen schlechten Tag erwischt», meinte sie nach dem Spiel mit einem breiten Lachen im Gesicht. Das war wohl noch leicht untertrieben, denn sie lieferte eine ausgezeichnete Leistung ab. Unverkennbar war, dass die gegnerischen Spielerinnen sie und ihren Spielstil nicht kannten. Zugutekam ihr auch, dass die Defensivarbeit ihrer Mitspielerinnen ausgezeichnet war. «Die Deckung war super. Wir hatten die Angriffe unseres Gegners mit sieben Feldspielerinnen im Griff», freute sich Kramer, dessen zweite personelle Überraschung die Position der linken Aufbauerin war. Er schenkte Ursina Schnider, die zuvor kaum einmal eingesetzt worden war, das Vertrauen. Die 20jährige spielte beeindruckend auf und erzielte in der 1. Halbzeit sechs Tore. Sie wollte nicht ihre eigene Leistung in den Vordergrund stellen. «Der Grundstein unseres guten Spiels war die Deckungsarbeit. Wir haben GC Amicitia für sein 7:6-Angriffsspiel bestraft und unser Tempospiel aufziehen können», meinte die nur 169 cm grosse Rückraumspielerin. Damit sprach sie auch die vier Treffer ins gegnerische leere Tor an. Diese Stärken werden auch im fünften Spiel, der Belle, am Sonntag ab 17.00 Uhr in Zürich gefragt sein. Dass sich dann die Gastgeberinnen nochmals aufbäumen werden, haben sie in der Schlussphase des vierten Spiels gezeigt, als ihnen nach dem Achttorerückstand der Anschlusstreffer nur knapp verwehrt blieb. Der LC Brühl wird dagegenhalten, denn so nah wie jetzt war er dem 35. Meistertitel die ganze Saison nie. Darum sagt Denise Kaufmann: «Jetzt ist für uns alles machbar.» Was sie nicht weiss, vor zwei Jahren lag der LCB Brühl im Playoff-Final gegen GC Amicitia in der Serie auch 1:2 zurück und sicherte sich dann im fünften Spiel den Titel. Das ist wohl ein gutes Ohmen.
LC Brühl – GC Amicitia Zürich 24:22 (17:11)
Kreuzbleiche – 1211 Zuschauer – Sr.: Abalo/Maurer.
Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen den LC Brühl und 3-mal 2 Minuten gegen GC Amicitia.
LC Brühl: Kothen (1 Parade)/Kaufmann (15 P.)/Dokovic (nicht eingesetzt); Kernatsch (3), Baljak, Ackermann (2), Altherr (8/3), Truchot, Coker (1), Schnider (6), Mosimann, Lüscher (1), Eugster, Usik, Hess (2), Arpagaus (1).
GC Amicitia Zürich: Kuratli (2 Paraden)/Krüger (9 P.); Bopp (2), Wick, Aellen (4/2), K. Erni, Winterberg (6), Kündig (2), Schmid (1), D Ambrosio, J. Erni (3/1), Schärer (3), Schläpfer (1).
Bemerkungen: Verhältnis vergebener Penaltys 1:1. LC Brühl ohne Simova, Kikanovic, Lauper (alle verletzt) und Schäfer (überzählig).
