Die St.Galler NLA-Handballerinnen belegen an ihrem Stadtwerk-Cup den vierten Platz – der Sieg geht an Dijon, den European-League-Sieger 2026.
Der Stadtwerk-Cup in St.Gallen war eine Demonstration des modernen Frauenhandballes. Die Intensität, mit der die vier Teams ihre Spiele bestritten, war beachtlich. Die Schnelligkeit des Angriffspiels und die Variabilität im Zusammenspiel mit schnellen Rückzügen in die meist offensiv interpretierte Verteidigung wussten zu gefallen. Ab und zu kam jedoch auch die Vermutung auf, dass sich die Spielerinnen mit dem von den Trainern geforderten Tempospiel ein wenig zu überfordern schienen. Die mangelnde Genauigkeit der Würfe zeigte dies zum einen, die Fehlerzahl zum andern. Doch sehenswert waren die sechs Spiele allesamt.
Dijon verdienter Turniersieger
Mit Dijon, dem European-League-Sieger 2026 aus der höchsten französischen Liga, Gniezno aus der polnischen Superliga und Göppingen aus der 1. Bundesliga hatte der LC Brühl zu seinem Turnier starke Teams eingeladen. Dass sich am Ende die Französinnen den Sieg sicherten, war verdient und aufgrund des Leistungsausweises auch logisch.
Dijon stellte die stärkste sowie ausgeglichenste Equipe und bewies dies auch beim 39:25-Sieg gegen den Turnierzweiten Göppingen.
Für die St.Gallerinnen zeigten die Vergleiche, dass sie mit ihrem Spiel dem internationalen Trend folgen können. Gegen Dijon spielten sie eine starke erste Halbzeit mit dem 16:17-Pausenergebnis. Danach bezahlten sie bis zum 30:41-Schlussergebnis jedoch Lehrgeld. Gegen die Polinnen von Gniezno lagen sie praktisch immer in Führung, mussten in den Schlusssekunden aber noch den 29:29-Ausgleich hinnehmen. Im Vergleich mit Göppingen waren sie ab der Startphase das unterlegene Team und verloren 24:32.
Kernatsch und Arpagaus im Vergleich
Der LC Brühl hatte bis vor einem Jahr mit Laurentia Wolff auf der Position Rückraum Mitte eine dominierende Spielerin. Sie bewies ihr Können als Regisseurin nicht nur in St.Gallen, sondern auch im Nationalteam. Nachdem die 22-Jährige vor einem Jahr nach Deutschland zum VfL Oldenburg gewechselt hatte, konnte sich in der vergangenen Saison keine Spielerin als neue Taktgeberin etablieren. Nun aber glaubt Trainer Raphael Kramer seine Lösung gefunden zu haben. «Mia Kernatsch muss unsere Leaderin werden. Sie kann sich selbst und ihre Mitspielerinnen einsetzen. Leonie Arpagaus ist eher die klassische Regisseurin, die selbst weniger torgefährlich ist. Wertvoll sind für unser Spiel beide.»
Kernatsch: «Defensiv habe ich meine Stärken»
Die 24-jährige Kernatsch scheint in ihrer sechsten Saison beim LC Brühl ihre Rolle gefunden zu haben. «Ich kann meine Erfahrung einbringen und fühle mich wohl. Auch defensiv habe ich meine Stärken.» Dies ist ein wesentlicher Unterschied zu Leonie Arpagaus. Die 21-Jährige wird in der Verteidigung oft durch eine andere Spielerin ersetzt. «Offensiv kann ich dem Team mit meiner Schnelligkeit und Wendigkeit viel bringen. Ich denke, dass ich zum Spielstil von Mia eine gute Ergänzung bilde.»
Die neue Torhüterin überzeugt
Dürfte die Rangfolge auf Rückraum Mitte beim Rekordmeister geklärt sein, so gilt dies wohl auch bei den drei Torfrauen. Die von Spono neuverpflichtete Claire Hartz hat am Stadtwerk-Cup überzeugt. Die 20-jährige Nationaltorhüterin hat sich vor den beiden anderen Goalies, der 21-jährigen Norah Kothen und der 23-jährigen Denise Kaufmann, mindestens vorläufig die Nummer 1 gesichert. «Es ist mein Ziel, diese Rolle zu übernehmen. Dies belastet das Verhältnis unter uns drei Torhüterinnen nicht. Wir verstehen uns gut. Ich fühle mich in meinem neuen Umfeld willkommen und gut aufgenommen», so Hartz.
Bericht: Fritz Bischoff, St.Galler Tagblatt
Foto: Benjamin Faes
