Die Welt durch die Linse: Von der Handballerin zur Sportfotografin

Beáta Antal ist eine Frau, die sich im Leben immer wieder neu erfunden hat. Ihre Geschichte ist eine Reise durch die Welt des Handballs, geprägt von Leidenschaft, Disziplin und unermesslichem Respekt für den Sport. Heute steht sie nicht mehr als Spielerin auf dem Feld, sondern fängt die Magie des Spiels als Fotografin ein – und das mit einer Hingabe, die ihresgleichen sucht.

Womöglich hast du ihren Namen noch nicht gehört, oder aber ihn öfters schon bei unseren Beiträgen gesehen: Beáta Antal hat selbst nie beim LC Brühl Handball gespielt. Seit dieser Saison steht sie aber regelmässig an unserer Seitenlinie in der Kreuzbleiche. Aber nicht als Trainerin – sondern als Fotografin. Wer ist das neue unbekannte Gesicht?

Beátas Liebe zum Handball begann bereits in ihrer Kindheit in Ungarn. Inspiriert durch ihre Eltern, die selbst Handball gespielt hatten, entwickelte sie eine Faszination für diesen schnellen und anspruchsvollen Sport. Mit nur zehn Jahren – für eine ungarische Handballerin eigentlich schon ein später Einstieg – wechselte sie die Schule, um ihrem Traum zu folgen. Erste Erfolge liessen nicht lange auf sich warten: Bereits mit 14 Jahren spielte sie in der zweiten ungarischen Liga und wurde von Toptrainern wie András Németh entdeckt, der sie zum renommierten FTC nach Budapest holte. Die Linkshänderin erzählt: «Ich war die einzige Linkshänderin in meiner Altersgruppe. Anfangs hasste ich es, alles spiegelverkehrt lernen zu müssen. Ich stand allein in der rechten Reihe und wusste damals noch nicht, welche Bedeutung meine Wurfhand später haben würde».

Die Welt des Handballs hat sich verändert
Zu Beginn ihrer Karriere wurde Beáta von mehreren Vorbildern und Trainern geprägt, die ihren Weg nachhaltig beeinflussten. Von Éva Szabóné Sipos lernte sie die Grundlagen des Handballs, Ferenc Molnár brachte ihr bei, wie man kraftvoll wirft, und András Németh vermittelte ihr Disziplin und Respekt. Spielerinnen wie Beatrix Kökény oder Ágnes Farkas, die sie persönlich kennenlernen durfte, inspirierten sie mit ihrer Leidenschaft und ihrem Erfolg. Ihr grösstes Vorbild bleibt jedoch die Norwegerin Gro Hammerseng, deren Spielstil und Ausstrahlung Beáta bis heute bewundert.

Doch trotz der steilen Karriere blieben Beátas Wurzeln geerdet. Die Disziplin und der Respekt, die sie in Ungarn lernte, begleiten sie bis heute. «Die Spielerinnen der ersten Liga damals zeichneten sich durch unermessliche Disziplin aus. Was ich in Ungarn gelernt habe, habe ich seither nirgendwo anders erlebt. Damals gab es kein unnötiges Prellen des Balls, niemand sprach ohne Grund während des Trainings, niemand ging ohne Erlaubnis trinken, und keine Spielerin fehlte ohne triftigen Grund», kann sich Beáta erinnern. Diese harte Disziplin vermisst sie in der heutigen Handballwelt manchmal und nennt sich deshalb selbst «Old furniture with old thinking».

Ein Leben in Bildern
Gemeinsam mit ihrem frisch angetrauten Ehemann suchte sie damals nach besseren Lebens- und Arbeitsmöglichkeiten, da es in Ungarn kaum Perspektiven für eine sichere Zukunft gab. Eine ungarische Familie half ihnen, in Vorarlberg Fuss zu fassen und Beáta begann, nach Handballmöglichkeiten in der Region zu suchen. Ohne Deutschkenntnisse und mit wenig Wissen über das österreichische Handballniveau fand sie schliesslich ein Team in Hohenems. Handball verbindet über die Sprachbarrieren hinaus: Dort spielte sie ein Jahr lang in einem kleinen, aber starken Team, mit dem sie sogar die Meisterschaft gewann. Doch gesundheitliche Herausforderungen und der Wunsch nach einer Familie führten dazu, dass sie sich schrittweise vom aktiven Handball zurückzog.

Die Geburt ihrer Zwillinge bedeutete das Ende ihrer aktiven Handballkarriere, doch es öffnete gleichzeitig die Tür zu einer neuen Leidenschaft: der Fotografie. Schon als Kind hatte Beáta ihre erste Kamera aus LEGO gebaut und war fasziniert davon, wie ein Wassertropfen im Bild wie eine Säule erscheinen konnte. Heute hat sie sich auf die Sportfotografie spezialisiert – mit Handball als ihrem zentralen Thema.

«Wenn ich Handballspiele fotografiere, sehe ich Dinge, die ich als Spielerin nie wahrgenommen habe. Die Emotionen im Gesicht des Trainers, die strahlenden Augen eines Kindes am Spielfeldrand oder eine Mutter, die ihren Sohn im Arm hält und zusieht, wie der Vater spielt», beschreibt Beáta ihre besondere Perspektive. Diese Aufmerksamkeit für Details, kombiniert mit ihrer eigenen Erfahrung als Spielerin, verleiht ihren Fotos eine einzigartige Tiefe.

Herausforderungen und Prioritäten
Beátas Weg war nicht leicht. Ihre Zwillinge kamen extrem früh, in der 23. Schwangerschaftswoche, auf die Welt und verbrachten die ersten sechs Monate ihres Lebens im Krankenhaus. Diese Erfahrungen sowie eine Folgeerkrankung von einem der beiden Söhne haben Beáta geprägt und ihre Perspektive auf das Leben verändert. «Meine Sichtweise hat sich in den letzten drei Jahren so verändert, dass das «ich» nicht mehr existiert und das «wir» im Vordergrund steht», erklärt sie.

Trotz der Herausforderungen hat Beáta nie ihre Leidenschaft verloren. Sie plant ihre Fototermine so, dass sie sicherstellen kann, dass es ihren Kindern gut geht. Ihre Priorität liegt eindeutig bei ihrer Familie, doch ihre Liebe zur Fotografie bleibt eine wichtige Konstante in ihrem Leben.

Ein Auge für das Besondere
Beáta bevorzugt die Porträtfotografie, insbesondere die sogenannten «Headshots», bei denen sie versucht, die Emotionen und Geschichten eines Menschen einzufangen. In der Sportfotografie hat sie sich inzwischen nach oben gearbeitet und wurde 2024 für die Handball-Europameisterschaft der Frauen akkreditiert. Für Beáta ein riesiger Meilenstein: «Ich möchte als Sportfotografin bei so vielen internationalen Handballspielen wie möglich dabei sein.» Dazu arbeitet sie weiterhin stark daran, ihre Fotografiekunst zu verbessern, um auch an Spielen der EHF Champions League akkreditiert zu werden.

Ihr Stil ist intuitiv und emotional. Während des Spiels blendet sie alle Nebengeräusche aus und konzentriert sich ganz auf die Szenen vor ihrer Linse. «Ich sehe alles: die Spannung, die Emotionen, die kleinen Geschichten am Spielfeldrand. Das ist meine Welt», sagt sie.

Ein neues Zuhause beim LC Brühl Handball
Beáta fand beim LC Brühl Handball ein neues zu Hause. Durch ihre persönliche Verbindung zu Roger Bertschinger kam sie in Kontakt mit dem Verein und war sofort begeistert von der Dynamik und dem Niveau des SPL1-Teamas. Seither begleitet sie unsere Spielerinnen regelmässig und hat es geschafft, die Essenz des Vereins in ihren Bildern einzufangen.

Ein Blick in die Zukunft
Beátas Zukunftspläne sind ungewiss, und das ist ganz bewusst so. Sie konzentriert sich darauf, ihren Kindern die bestmögliche Unterstützung zu geben und gleichzeitig ihre Leidenschaft für die Fotografie weiter auszubauen. «Ich sage immer, dass ich von meinen Träumen erzähle, wenn sie erfüllt sind. Aber ich kann sagen, dass ich weiterhin die Welt des Handballs mit meinen Bildern bereichern möchte», verrät sie.

Mit ihrer Kamera hat Beáta Antal eine neue Möglichkeit gefunden, ihre Liebe zum Handball auszudrücken. Sie zeigt uns die Welt dieses Sports aus einer Perspektive, die für viele unsichtbar bleibt. Und gerade deshalb ist ihre Arbeit so wertvoll.

Foto: ZvG

LC Brühl Handball

Adresse  LC Brühl Handball | 9000 St. Gallen
Geschäftsstelle  Andrea Albrecht | info@lcbruehl.ch | T +41 71 280 11 30

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