Da war mehr möglich für den LC Brühl Handball

Die St.Galler Handballerinnen scheiden in der zweiten Runde der European League nach einer Niederlage und einem Sieg gegen Rocasa Gran Canaria aus.

Bericht: Fritz Bischoff, St.Galler Tagblatt

Das Bild am späten Sonntagabend nach dem zweiten Spiel in der zweiten Runde der European League der Handballerinnen zwischen dem LC Brühl und Rocasa Gran Canaria in der Halle «Insular Antonio Moreno» in Telde, der zweitgrössten kanarischen Stadt, sprach Bände. Auf der Anzeigetafel leuchtete der 31:25-Sieg der St.Gallerinnen. Trotzdem sassen sie auch zehn Minuten nach Spielende noch niedergeschlagen, enttäuscht, ja frustriert auf und vor der Wechselbank. Abgekämpft, wohl mit sich selbst hadernd, dass sie die grosse Möglichkeit verpasst hatten, sich für die nächste Runde zu qualifizieren. Mit 25:33 war die erste Partie am Samstagabend verloren gegangen. Die acht Tore Differenz wettzumachen war eine grosse Hypothek, aber keine Unmöglichkeit. «Wir haben das Wunder von Telde knapp verpasst. Im zweiten Spiel noch drei Tore mehr Unterschied zu erspielen war realistisch. Aber vergeben haben wir unsere Chance nicht im zweiten Spiel, sondern im ersten», fasste Trainer Raphael Kramer seine Eindrücke zusammen.

8:2-Führung aus der Hand gegeben

Der Auftakt in die erste Partie war für die Brühlerinnen optimal verlaufen. Mirjam Ackermann brachte ihr Team nach 100 Sekunden 1:0 in Führung. Ein erster Respekt vor dem Gegner war abgelegt. Es folgte eine strake Startphase, in der die Gastgeberinnen gegen die defensive und offensive Dominanz des Gästeteams machtlos waren. So führte der 34-fache Schweizer Rekordmeister nach elf Minuten 8:2. Ein Timeout des spanischen Trainers wirkte für sein Team dann in einem Masse, wie es den St.Gallerinnen nicht gefallen konnte. In der 17. Minute war mit dem 8:8 der Gleichstand erreicht. Nur noch einmal beim 8:9 lag der LCB im weiteren Spielverlauf vorne. Nun dominierte Rocasa. «Es schien, als hätten unsere Spielerinnen nach der Sechstore-Führung plötzlich vor ihrer eigenen Leistung Angst bekommen, denn nach der hervorragenden Startphase passt plötzlich nichts mehr zusammen», musste Kramer feststellen. So spielte das Kanaren-Team über die 18:15-Pausenfürung, das 25:22 nach 45 Minuten und das 31:23 in der 55. Minute den 33:25-Sieg problemlos nach Hause. «Da haben wir einen tüchtigen «Lehrblätz» erhalten. Wir waren mental zu wenig stabil. Schade, ein Sieg war nicht unrealistisch», fasste Kramer zusammen.

Härte, Kampf und Hoffnungen

So waren die Vorzeichen für das zweite Spiel – das Heimspiel des LC Brühl – am Sonntagabend gesetzt. Die St.Gallerinnen hatten nichts zu verlieren, konnten nur noch gewinnen. Sie zeigten von Beginn weg eine kämpferische Leistung, die sie sich auch von der Härte der gegnerischen Gangart nicht schmälern liess. Bei einem ausgeglichenen Spielverlauf mit wechselnden Führungen, verpassten es die Brühlerinnen aber immer wieder ihren Vorsprung auszubauen Es waren Feher und Fehlschüsse, die die Spanierinnen wieder in den Vorteil und zur 16:15-Pausenführung brachten.  Zu Beginn der zweiten Spielhälfte war es Mia Kernatsch, die mit drei Toren in Folge das Geschehen endgültig in die St.Galler Bahnen lenkte. Je näher das Ende rückte, desto möglicher schien das Unmögliche zu werden. Die Brühlerinnen legten, getragen von einer starken Torhüterin Claire Hartz, aus ihrer sehr guten Defensivarbeit heraus vier, fünf und später gar sechs Tore vor. Es war eine Energie und ein Kampf, der den spanischen Meister arg in Bedrängnis brachte. Beim 29:23 vier Minuten vor dem Ende schien das Weiterkommen endgültig greifbar. Es waren dann aber Fehler und das Auslassen bester Torwurfmöglichkeiten, die der Euphorie ein jähes Ende setzten.  «Es tut weh, so knapp auszuscheiden. Mehrheitlich können wir mit unserer Leistung zufrieden sein. Wir müssen einsehen, dass international Unzulänglichkeiten konsequent bestraft werden», fand die Internationale Malin Altherr. Als kleines Trostpflaster gönnte das Reiseprogramm ihr und dem ganzen Team am Montag in ihrem Luxus-Ferienresort auf den Kanaren einen Ferientag, ehe am Dienstag die Rückreise erfolgt. Schon am Mittwoch wartet mit dem Heimspiel (Spielbeginn 19.30 Uhr) gegen die HSG Aargau Ost das nächste Meisterschaftsspiel.

Telegramme

Rocasa Gran Ganaria – LC Brühl 33:25 (18:15)
Papellon Insular Antonio Moreno – 300 Zuschauer – Sr.: Hummelgard/Svensson (SEW).

Strafen:  4-mal 2 Minuten gegen beide Teams.

LC Brühl: Kaufmann (1 Paraden)/Hartz (10 P.); Kernatsch (3), Baljak (2), Ackermann (5), Altherr (6/2), Mierzwa, Truchot, Coker, Schnider, Lüscher, Eugster (2), Usik (1), Hess (1), Arpagaus, Knezevic (5).

Bemerkungen: Verhältnis vergebener Penaltys 2:0. LC Brühl ohne die verletzten oder erkrankten Mosimann, Simova und Kothen.

LC Brühl – Rocasa Gran Ganaria 31:25 (15:16)
Papellon Insular Antonio Moreno – 300 Zuschauer – Sr.: Hummelgard/Svensson (SEW).

Strafen:  6-mal 2 Minuten gegen den LC Brühl und 4-mal 2 Minuten gegen Rocasa.

LC Brühl: Kaufmann (0 Paraden)/Hartz (11 P.); Kernatsch (8), Baljak (1), Ackermann (1), Altherr (8/2)), Mierzwa (1), Truchot (1), Coker (4), Schnider (1), Lüscher, Eugster (1), Usik, Hess (1), Arpagaus (1), Knezevic (3).

Bemerkungen: Verhältnis vergebener Penaltys 1:2. LC Brühl ohne die verletzten oder erkrankten Mosimann, Simova und Kothen.

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